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Eintauchen in eine neue Welt
Schnupperstunde Mehr als eine Million
Deutsche sind von der Unterwasserwelt bereits begeistert – Tendenz
steigend. Der Bamberger Tauchclub bietet dazu Einsteigerkurse an.
VON UNSEREM MITARBEITER Torsten Geiling
Bamberg - Wir tauchen ab – und innerhalb einer
Sekunde sind wir plötzlich in einer anderen Welt, die aus mehr als aus
tausenden von Litern gechlorten Wasser besteht. Stress, Lärm, Hektik –
all das scheint an der Oberfläche vor sich hin zu dümpeln. Wir werden eins
mit der schweigenden Welt hier unten. Und gleiten schwerelos und ohne Angst
durch die Wogen.
„Wenn man die Schönheit dieser Welt entdeckt hat, möchte man gar nicht
mehr aus dem Wasser kommen“, hatte Wolfgang Kostal zu uns gesagt. Stimmt möchte
man sagen, doch es wird nur ein „blubb blubb“ daraus, und ein Schwarm
Blasen steigt nach oben. Der Vorsitzende des Bamberger Tauchclubs geht
diesem Hobby seit über 30 Jahren nach. „Das Interesse hat nach einer
Flaute wieder deutlich zugenommen, vielleicht auch weil bei uns Sicherheit
und eine gute Ausbildung im Vordergrund sind“, freut sich Wolfgang, dessen
eigene Begeisterung für das Tauchen in wenigen Sätzen überspringt.
Der Tauchvirus scheint hoch ansteckend zu sein.Uns hat er Sonntag früh um
7.30 Uhr befallen, der üblichen Trainingszeit des Tauchclubs. „Wir würden
auch lieber zu einem anderen Zeitpunkt ins Becken springen, aber die Kapazitäten
in Bamberg sind einfach zu gering.“ Im hüfthohen Wasser erklärt Wolfgang
uns das richtige Anlegen der ABC-Ausrüstung. Das sind Flossen, Schnorchel
und Maske. „Es ist zwar etwas unschön, damit die Brille aber nicht anläuft,
spuckt man rein.“ Dann hilft er uns beim Anlegen des Atemgeräts, zu dem
der Atemregler, das Jackett und die Flasche aus Stahl zählen. „Da ist
kein reiner Sauerstoff, sondern Luft drin“, die bei 200bar
zusammengepresst wurde.
„Die Weste dient als Halterung für die Flasche und ist eine Art
Schwimmblase, die uns schwerelos macht. Sie hat aber auch gleichzeitig
aufgeblasen eine Sicherheits- und Rettungsfunktion.“ Beruhigend, aber
Wolfgang hat uns sowieso eingeschärft, im Nichtschwimmerbereich zu bleiben.
„Je tiefer man taucht, desto höher wird der Wasserdruck“, erklärt er,
„alle zehn Meter nimmt er um 1 bar zu.“ Deshalb muss man beim Auftauchen
aus den Tiefen gewisse Dekompressionszeiten einhalten. „Im Blut reichert
sich nämlich Stickstoff an. Ist man zu schnell, ist das wie bei einer geschüttelten
Mineralwasserflasche, die man plötzlich öffnet. Die sprudelt über.
Deshalb muss man langsam nach oben.“
Für die Schnupperstunde nicht nötig. Wir nehmen den Atemregler in den
Mund. „Eine Membran steuert die Ventile. Wenn wir ansaugen, strömt Luft
in den Mund, wenn wir ausblasen, geht die verbrauchte Luft raus.“ Dann
senkt unser Tauchlehrer den Daumen seiner rechten Hand: Abtauchen.
Langsam, ganz langsam gehen wir in die Knie und beißen dabei fest auf das
Mundstück. Das Wasser steht uns bald bis zum Kinn, läuft über die Maske
und in die Ohren. Wir sind untergetaucht. Gierig sauge ich ein erstes Mal am
Gummi in meinem Mund. Es funktioniert tatsächlich! Pressluft strömt aus
der Flasche in meine Lungen. „Das Atmen unter Wasser ist anfangs etwas
ungewohnt“, hatte Wolfgang gesagt, der uns mit einem Lächeln auf den
Lippen und großen Fischaugen hinter seiner Tauchermaske anschaut. Dann
lassen wir die verbrauchte Luft nach oben blubbern.
Es ist ein unvergleichliches Gefühl, wie ein Fisch unter Wasser atmen zu können.
Und schon bald werden die Atemzüge ruhiger und tiefer. Das Herz pocht
leiser. Wir vertrauen uns den Wogen an und fühlen, wie sie uns scheinbar
schwerelos tragen. Die Auszeit unter Wasser wird zur Erholung, Entspannung,
einer Begegnung mit einer faszinierenden Welt, auch wenn die bei uns nur aus
den 50 000 blauen Kacheln des Hallenbades besteht, über die ein verlorenes
Pflaster wie ein losgerissener Strohbusch in einem Italo-Western weht. Mit
ein paar Paddelschlägen unserer Flossen drehen wir noch eine Runde, bis uns
eine Hand aus einer anderen Welt plötzlich auf die Schulter tippt und das
Zeichen zum Auftauchen gibt. Bis 9 Uhr müssen wir geduscht und draußen
sein“, sagt Wolfgang Kostal. Wie schön: Die Hektik hat uns wieder.

Foto: Norbert Schneider
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