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24. November 2006


Eintauchen in eine neue Welt
Schnupperstunde Mehr als eine Million Deutsche sind von der Unterwasserwelt bereits begeistert – Tendenz steigend. Der Bamberger Tauchclub bietet dazu Einsteigerkurse an.



VON UNSEREM MITARBEITER Torsten Geiling


Bamberg - Wir tauchen ab – und innerhalb einer Sekunde sind wir plötzlich in einer anderen Welt, die aus mehr als aus tausenden von Litern gechlorten Wasser besteht. Stress, Lärm, Hektik – all das scheint an der Oberfläche vor sich hin zu dümpeln. Wir werden eins mit der schweigenden Welt hier unten. Und gleiten schwerelos und ohne Angst durch die Wogen.
„Wenn man die Schönheit dieser Welt entdeckt hat, möchte man gar nicht mehr aus dem Wasser kommen“, hatte Wolfgang Kostal zu uns gesagt. Stimmt möchte man sagen, doch es wird nur ein „blubb blubb“ daraus, und ein Schwarm Blasen steigt nach oben. Der Vorsitzende des Bamberger Tauchclubs geht diesem Hobby seit über 30 Jahren nach. „Das Interesse hat nach einer Flaute wieder deutlich zugenommen, vielleicht auch weil bei uns Sicherheit und eine gute Ausbildung im Vordergrund sind“, freut sich Wolfgang, dessen eigene Begeisterung für das Tauchen in wenigen Sätzen überspringt.

Der Tauchvirus scheint hoch ansteckend zu sein.Uns hat er Sonntag früh um 7.30 Uhr befallen, der üblichen Trainingszeit des Tauchclubs. „Wir würden auch lieber zu einem anderen Zeitpunkt ins Becken springen, aber die Kapazitäten in Bamberg sind einfach zu gering.“ Im hüfthohen Wasser erklärt Wolfgang uns das richtige Anlegen der ABC-Ausrüstung. Das sind Flossen, Schnorchel und Maske. „Es ist zwar etwas unschön, damit die Brille aber nicht anläuft, spuckt man rein.“ Dann hilft er uns beim Anlegen des Atemgeräts, zu dem der Atemregler, das Jackett und die Flasche aus Stahl zählen. „Da ist kein reiner Sauerstoff, sondern Luft drin“, die bei 200bar zusammengepresst wurde.

„Die Weste dient als Halterung für die Flasche und ist eine Art Schwimmblase, die uns schwerelos macht. Sie hat aber auch gleichzeitig aufgeblasen eine Sicherheits- und Rettungsfunktion.“ Beruhigend, aber Wolfgang hat uns sowieso eingeschärft, im Nichtschwimmerbereich zu bleiben. „Je tiefer man taucht, desto höher wird der Wasserdruck“, erklärt er, „alle zehn Meter nimmt er um 1 bar zu.“ Deshalb muss man beim Auftauchen aus den Tiefen gewisse Dekompressionszeiten einhalten. „Im Blut reichert sich nämlich Stickstoff an. Ist man zu schnell, ist das wie bei einer geschüttelten Mineralwasserflasche, die man plötzlich öffnet. Die sprudelt über. Deshalb muss man langsam nach oben.“

Für die Schnupperstunde nicht nötig. Wir nehmen den Atemregler in den Mund. „Eine Membran steuert die Ventile. Wenn wir ansaugen, strömt Luft in den Mund, wenn wir ausblasen, geht die verbrauchte Luft raus.“ Dann senkt unser Tauchlehrer den Daumen seiner rechten Hand: Abtauchen.

Langsam, ganz langsam gehen wir in die Knie und beißen dabei fest auf das Mundstück. Das Wasser steht uns bald bis zum Kinn, läuft über die Maske und in die Ohren. Wir sind untergetaucht. Gierig sauge ich ein erstes Mal am Gummi in meinem Mund. Es funktioniert tatsächlich! Pressluft strömt aus der Flasche in meine Lungen. „Das Atmen unter Wasser ist anfangs etwas ungewohnt“, hatte Wolfgang gesagt, der uns mit einem Lächeln auf den Lippen und großen Fischaugen hinter seiner Tauchermaske anschaut. Dann lassen wir die verbrauchte Luft nach oben blubbern.

Es ist ein unvergleichliches Gefühl, wie ein Fisch unter Wasser atmen zu können. Und schon bald werden die Atemzüge ruhiger und tiefer. Das Herz pocht leiser. Wir vertrauen uns den Wogen an und fühlen, wie sie uns scheinbar schwerelos tragen. Die Auszeit unter Wasser wird zur Erholung, Entspannung, einer Begegnung mit einer faszinierenden Welt, auch wenn die bei uns nur aus den 50 000 blauen Kacheln des Hallenbades besteht, über die ein verlorenes Pflaster wie ein losgerissener Strohbusch in einem Italo-Western weht. Mit ein paar Paddelschlägen unserer Flossen drehen wir noch eine Runde, bis uns eine Hand aus einer anderen Welt plötzlich auf die Schulter tippt und das Zeichen zum Auftauchen gibt. Bis 9 Uhr müssen wir geduscht und draußen sein“, sagt Wolfgang Kostal. Wie schön: Die Hektik hat uns wieder.


Foto: Norbert Schneider